Die Global Reporting Initative wandelte ihre G4-Leitlinien in Standards um. Viele Instrumente helfen beim Umstieg.

Einen ersten Einblick in die neue Struktur bietet dieses Video.  Ausführlicher (20min) ist dieses.

Dem Ein- und Umstieg widmet sich auch eigene Website. Die Excel-Tabelle „Disclosures – Track Changes“ gibt den besten Überblick, auch der FAQ ist hilfreich. Im Großen und Ganzen ist alles beim Alten; im Detail gibt es jedoch teils deutliche Unterschiede. Einige Beispiele aus den Standard-Angaben und Angaben zu den Management-Approaches:

  • Statt nur die Lieferkette zu beschreiben, fordert der GRI-Standard, dass diese Ausführung ergänzt wird: Berichtet werden auch ihre wichtigsten Elemente in Bezug auf die Aktivitäten, wichtigsten Marken, Produkte und Dienstleistungen der Organisation.
  • Statt „Aspects“ sprich die englische Originalversion nun von „topics“. Im Dokument 101 wurde der Term „Impact“ klargestellt: Dieser ist der Effekt, den das Unternehmen auf Wirtschaft, Umwelt und/oder Gesellschaft hat, was wiederum auf seinen Beitrag (positiv oder negativ) zur nachhaltigen Entwicklung hinweist. Der Einfluss von Außen AUF das Unternehmen ist hier nicht mehr gefragt, nur in dem Sinne, dass der eigene Impact auf das Unternehmen selbst rückwirkt z.B. auf das Geschäftsmodell, die Reputation oder seine Fähigkeit, seine Ziele zu erreichen. Dementsprechend ist auch die Wesentlichkeits-Analyse durchzuführen.
  • Pro „topic“ sind weiterhin die „boundaries“, also die Grenzen, anzugeben. Zusätzlich wird berichtet, wo der Impact vorkommt und wie die Organisation in diesen Impact verwickelt ist (z.B. Trägt sie zum Impact bei? Hat sie diesen Impact verursacht? Ist sie damit durch direkte Geschäftsbeziehungen verbunden?)
  • Zu jedem „topic“ ist anzugeben, wie es gemanagt wird; welchen Zweck der Management-Ansatz dazu verfolgt; die Policies, Commitments; Ziele; Verantwortlichkeiten; Ressourcen; Beschwerdemechanismen; spezifische Aktivitäten wie Prozesse, Projekte, Programme und Initiativen.
  • Statt „indicators“ spricht GRI nun von „disclosures“. Das soll verdeutlichen, dass Informationen nicht nur in den Bereichen der Themen-spezifischen Indikatoren, sondern auch bei den Standard-Angaben („General disclosures“) reportet werden.
  • Wie berichtet gibt es nun zu jedem „topic“ bzw. jeder „disclosure“ klarere Anforderungen: Shall kennzeichnet Requirements/erforderliche Inhalte; Should steht für Recommendations/Empfehlungen und Can symbolisiert Guidance/Hilfestellungen.

gri_overview_standard
Einige Indikatoren wurden präzisiert, die folgenden deutlicher geändert:

  • EC5 (Mindestlöhne)
  • EN8 (Wassernutzung)
  • EN16 (Indirekte/Scope 2 Treibhausgasemissionen)
  • EN23 (gefährlicher und ungefährlicher Abfall)
  • EN25 (gefährlicher Abfall)
  • EN34 (Umweltbeschwerden); LA16 (Arbeitspraktiken-Beschwerden), HR12 (Menschenrechts-Beschwerden), SO11 (Beschwerden über Einflüsse auf die Gesellschaft): Alle Beschwerde-Mechanismen wurden in GRI 103: Management Approach verschoben; d.h. Unternehmen beschreiben nun, ob sie Beschwerde-Mechanismen für das Managen eines wesentlichen (material) „topics“ haben.
  • LA5 (Formales Komitee für Gesundheit und Sicherheit)
  • LA6 (Unfälle, Verletzungen, Krankenstände)
  • LA7 (Arbeitnehmer/-innen mit hohem Unfall- oder Erkrankungsrisiko)
  • LA12 (Diversity im Management)
  • LA14 (Arbeitsplatz-Screening von Lieferanten), HR11 (Menschenrechts-Untersuchung von Lieferanten), SO10 (Lieferanten-Screening betreffend ihres Einflusses auf die Gesellschaft): Sie wurden zusammengefasst zu 414-2 (Supplier Social Assessment – negative Impacts in der Lieferkette und gesetzte Aktionen)
  • SO4 (Anti-Korruptions-Kommunikation)
  • SO8 (Signifikante Strafen) und PR9 (Strafen wegen Produkten oder Services) wurden zusammengelegt zu 419-1 (Socioeconomic compliance)
  • PR6 (Bericht über den Verkauf verbotener Produkte)

Gestrichen bzw. in andere Indikatoren eingegliedert wurden

  • EN27 (veränderte Umwelteinflüsse im Berichtszeitraum)
  • EN30 (signifikante Umwelteinflüsse durch den Transport)
  • EN31 (Umweltschutz-Ausgaben)
  • PR5 (Resultate von Kundenzufriedenheits-Umfragen)

Berichte, die nach dem 01.07.2018 veröffentlicht werden, müssen den neuen Standards entsprechen. Der frühere Umstieg wird empfohlen. Wer gleich damit starten möchte, kann am GRI Standards Pioneers Programm teilnehmen.

Tipp für bestehende Reporter/-innen: Mit der Vergleichs-Excel-Tabelle starten. Prüfen Sie, ob Ihre Wesentlichkeits-Matrix den neuen Anforderungen (kein Einfluss AUF das Unternehmen mehr, siehe GRI 101, S.10) entspricht. Und vergleichen Sie Ihre Darstellung der Boundaries (GRI 101, S. 12 und GRI 103, S. 6) mit den Erfordernissen im Standard.

Tipp für Personen, die noch nie einen CSR-Bericht nach GRI erstellt haben: Ignorieren Sie, dass es G4 gegeben hat, und starten Sie gleich mit dem Dokument GRI 101: Foundation 2016.